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Alte Kirche am Johannesberg

Alte Kirche am Johannisberg:Die Alte Kirche am Johannisberg im Wandel der Zeiten

Datum:
6. Feb. 2026
Von:
Jaqueline Moeck (KV), Wolfgang Severing (PGR), Hans-Joachim Lindau (Interessengemeinschaft Alte Kirche Johannisberg)
Die Alte Kirche am Johannisberg hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Auf Grund sinkender Mitgliederzahlen steht ein nächster Einschnitt bevor. Die Nutzung als Kulturkirche wäre eine Option. Dafür müssten sich ausreichend Mitstreiter finden.

Unsere Pfarrgemeinde verfügt über fünf Kirchen: die Pfarrkirche St. Johannes Baptist, die Kirche St. Heinrich, die Alte Kirche am Johannisberg, die Kapelle im Kinderdorf sowie die Friedhofskapelle. Dabei ist die Alte Kirche am Johannisberg die älteste und unter dem Namen „Kapelle St. Johannes Baptist“ in die Denkmalliste der Stadt Leichlingen eingetragen. Sie hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. 

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich die Zahl der katholischen Christen im „evangelischen“ Leichlingen soweit erhöht, dass eine neue katholische Pfarrgemeinde genehmigt wurde. Mit tatkräftiger Unterstützung der evangelischen Gemeinde entstand am Johannisberg der Kirchenbau, der am 4. August 1811 geweiht wurde. In den 1860ger Jahren erfolgte eine Erweiterung. Nach weiterem Wachstum errichtete die Gemeinde in der Ortsmitte die neue Pfarrkirche St. Johannes Baptist, die 1904 geweiht wurde. Zu jener Zeit stellte sich erstmals die Frage, was mit der Alten Kirche am Johannisberg geschehen sollte. Zunächst wurde sie verkauft. Später erwarb die Gemeinde sie zurück und nutzte sie als Jugendheim und Turnhalle. Nach dem Krieg diente die Alte Kirche als Lagerraum und bis 1967 als Orgelbauwerkstatt.

Alte Kirche - Karte zur Einweihung

Während der Sanierung der Pfarrkirche in den 1970ger und 1990ger Jahren nutzte die Gemeinde die Alte Kirche als Ausweichkirche. In dieser Zeit erhielt sie neue expressionistische Fenster des Leichlinger Künstlers Willy Schürmann und Einbauten aus der 1970 abgerissenen Kapelle des St. Heribert Stiftes. Gegen Ende des Jahrhunderts versank die Alte Kirche erneut in einen Dornröschenschlaf und wurde nur noch gelegentlich genutzt - meist bei Hochzeits- oder Tauffeiern im Familienkreis.

Der Zahn der Zeit nagt an der Substanz der Alte Kirche. Aus diesem Grund ergriffen vor sieben Jahren Gemeindemitglieder die Initiative, Alte Kirche und Außenanlage in Ordnung zu halten sowie neues Gemeinschaftsleben in den Kirchenraum zu bringen. Dies gelang durch kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte oder die jährliche Krippenausstellung. Zu nennen ist daneben die Nutzung durch die Rumänisch Orthodoxen Gemeinde aus Leverkusen, der die Alte Kirche vorübergehend eine Heimstatt bot.

Kapelle Johannisberg: Einschiffige Bruchsteinkapelle aus Grauwacke, errichtet 1807/11. Erstes Gotteshaus der wiedererstandenen Katholischen Gemeinde Leichlingen.

Der Wandel der Zeiten setzt sich weiter fort. Die Gemeinden schrumpfen, und die Bildung der Pastoralen Einheit Burscheid/Leichlingen/Wermelskirchen kündigt die Zusammenlegung zu einer neuen großen Pfarrgemeinde an. Die Vorbereitungen hierzu laufen. Hierzu gehört die Erarbeitung eines Gebäudekonzeptes, das die künftigen Bedarfe widerspiegelt. Kirchenvorstand (KV), Pfarrgemeinderat (PGR) sowie die betroffenen Nutzergruppen arbeiten gemeinsam an Lösungen. Diese berücksichtigen neben den seelsorgerischen Bedarfen die personellen haupt- und ehrenamtlichen Kapazitäten, externe Vorgaben, finanzielle Spielräume sowie Ansätze für eine Nutzung außerhalb der finanziellen Verantwortung der Gemeinde. „Lösung“ kann in diesem Zusammenhang nicht bedeuten, dass alles so bleibt, wie es ist. Kreative und machbare Lösungen sind gefragt. So soll z. B. ein zeitgemäßen Pfarrzentrum alte Gebäude erübrigen und bessere Angebote für die Pfarrgemeinde schaffen.

Für die Alte Kirche am Johannisberg wird diese Entwicklung erneut einen einschneidenden Wandel mit sich bringen, denn fünf Kirchen in Leichlingen wird es in der neuen Pfarrgemeinde nicht mehr geben können. KV und PGR sind der Gruppe, die sich aktuell um die Kapelle kümmert, sehr dankbar für ihre Initiative und ihre Mühen der letzten Jahre. Gemeinsam mit der Gruppe prüfen sie Modelle für die künftige Nutzung. Das Gebäude soll als Denkmal erhalten bleiben und sichtbar genutzt werden. Einen Ansatz bildet das Modell einer „Kulturkirche“. Ziel dabei wäre es, in Leichlingen Räumlichkeiten für neue kulturelle Angebote über den Dunstkreis der Pfarrgemeinde hinaus zu schaffen. Dabei übernähme ein Trägerverein im Rahmen eines Pachtvertrages das Gebäude und wäre für die Organisation des Angebotes verantwortlich. Neben finanziellen Fragen wäre Voraussetzung, dass sich ausreichend Mitstreiter finden, die einen solchen Ansatz mit Leben füllen.

So steht der Kapelle am Johannisberg ein neuer Wandel bevor, wie ihn die Vergangenheit schon mehrfach mit sich gebracht hat.

Jaqueline Moeck (KV),
Wolfgang Severing (PGR),
Hans-Joachim Lindau (Interessengem. Alte Kirche Johannisberg) 

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